Capernaum
18. Juni

In Cannes ausgezeichnetes Drama um einen Jungen aus dem Libanon, der seine Eltern verklagt, weil sie ihn in eine Welt voller Armut und Gewalt geboren haben.

Der zwölfjährige Zain (Zain Al Rafeea) ist in einem Armenviertel von Beirut im Libanon aufgewachsen. Obwohl er fast noch ein Kind ist, verbüßt Zain bereits eine Haftstrafe, er soll für eine Messerstecherei verantwortlich sein. Dies ist aber nicht der Grund, warum Zain vor Gericht auf seine Eltern (Kawthar Al Haddad und Fadi Kamel Youssef) trifft. Stattdessen hat Zain seine Eltern verklagt. Sie haben ihn in eine Welt voller Armut und Hoffnungslosigkeit gesetzt. Nun will Zain verhindern, dass seine Eltern weitere Kinder bekommen.

Vor dem Gericht erzählt Zain die erschütternde Geschichte seines kurzen Lebens auf der Straße. Von der Großfamilie, die auf wenigen Quadratmetern zusammenlebt. Von den Eltern, die aus purer Armut Zains geliebte Schwester Sahar (Haita Izam) an einen deutlich älteren Mann verkaufen. Von seinem Aufeinandertreffen mit der illegalen Immigrantin Rahil (Yordanos Shifera), die mit ihrem Baby auf der Straße lebt. Und davon, wie es zu der Messerstecherei gekommen ist, die Zain ins Gefängnis gebracht hat.

„Capernaum – Stadt der Hoffnung“ — Hintergründe
Mit Laiendarstellern und an Originalschauplätzen hat die libanesische Regisseurin Nadine Labaki („Wer weiß, wohin?“) ein erschütternd realistisches Drama gedreht, das die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen von Armut und Verwahrlosung im Stil des italienischen Neorealismus dokumentiert. Schon allein der Titel verweist dabei auf das biblische Fischerdorf Capharnaüm — das Sprichwort gewordene Chaos.

Bei seiner Weltpremiere auf dem Filmfestival von Cannes 2018 konnte „Capernaum – Stadt der Hoffnung“ das Publikum begeistern. Nadine Labaki wurde nicht nur mit dem Großen Preis der Jury, sondern auch mit dem Preis der Ökumenischen Jury ausgezeichnet. Darüber hinaus geht das Drama bei der Oscarverleihung 2019 ins Rennen um den Oscar als Bester fremdsprachiger Film.